Rechtsform für Unternehmen

Existenzgründung – auch eine Frage der richtigen Rechtsform Teil 1

Rechtsform für UnternehmenWelche Rechtsform ist die richtige für mein Unternehmen? Diese Frage müssen sich alle Existenzgründer zu einem bestimmten Zeitpunkt stellen. Gibt es heute noch alternative und attraktive Unternehmensformen, die ein rechtliche Basis in Deutschland haben. Diese Frage beantwortet der Stiftungsexperte Michael Schewe in seiner 2teiligen Artikelserie.

 

 

 

Stiftungen als alternative Rechtsform für jeden Anspruch

von Michael Schewe

Du hast dich in ein Abenteuer gestürzt, als du dich entschieden hast dein eigenes Unternehmen zu gründen. Und ich kann mir vorstellen, dass du zurzeit vieles im Kopf hast und dir so einige Gedanken machst – gerade, wenn du dich noch in der Gründungsphase befindest. Schließlich gründet man nicht jeden Tag sein eigenes Unternehmen.

Unternehmensträgerstiftung als alternative Rechtsform

Aber auch, wenn du vielleicht schon seit einigen Jahren deine Selbständigkeit lebst, kann es sinnvoll sein, sich einmal Gedanken über die damals gewählte Rechtsform zu machen und sie eventuell an aktuelle Gegebenheiten anzupassen. Denn darum soll es gehen in diesem Artikel: um die Wahl der Rechtsform für dein Unternehmen. Und ich möchte versuchen, dir die Unternehmensträgerstiftung als alternative Rechtsform ein wenig schmackhaft zu machen.

„Stiftungen – das ist doch nur was für Privatiers und reiche Unternehmer“ oder?

Ja, in der breiten Bevölkerung besteht im Allgemeinen Unwissenheit darüber, welche Möglichkeiten eine eigene Stiftung dem Einzelnen bieten kann. Dies resultiert daraus, dass einerseits die Medien eher selten über beispielsweise Familien- oder Unternehmensstiftungen berichten. Andererseits herrscht immer noch die Meinung vor, Stiftungen seien nur etwas für Großverdiener und Millionäre oder die Superreichen.

Unternehmensträgerstiftung als gewinnorientiertes Unternehmen

Insbesondere ist nahezu gänzlich unbekannt, dass es möglich ist, mit einer Unternehmensträgerstiftung eine Rechtsform für ein gewinnorientiertes Unternehmen zu gründen oder auszugliedern. Und gerade für ExistenzgründerInnen oder auch für spezielle Geschäftszweige schon etablierte, größerer Unternehmen kann diese Rechtsform einen unter Marketinggesichtspunkten innovativen Marktauftritt bieten. Darauf gehe ich im zweiten Teil des Artikels noch ein; genannt seien hier nur beispielsweise Trainer, Berater und Coaches, alle Arten von Gesundheitsberufen oder auch alle Unternehmungen im Bereich Bildung oder Ökologie.

Doch bevor ich zu den wichtigsten Fakten komme, ein kleiner Hinweis: Ich verzichte in diesem Artikel auf die korrekte Bezeichnung beider Geschlechter. Das ist natürlich keineswegs abwertend gegenüber den weiblichen Lesern gemeint und natürlich sind immer Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen.

Welche Rechtsformen für Unternehmen gibt es denn?

Bevor wir also in meine Stiftungswelt eintreten, möchte ich dir im ersten Schritt die wichtigsten und bekanntesten Rechtsformen für ein Unternehmen kurz vorstellen oder sie dir vielleicht noch mal in Erinnerung rufen.

Das Einzelunternehmen – eine sogenannte Personengesellschaft – als wohl bekannteste Form der Existenzgründung, wird von dir ganz einfach mit der Anmeldung deines Gewerbes bei der zuständigen Gemeinde oder Stadtverwaltung (Gewerbeamt) errichtet. Schnell, einfach und kostengünstig in der Gründung und in der späteren Verwaltung. Steuerlich anfangs in der Regel mit einer einfachen Gewinn- und Verlustrechnung auskommend ist diese Rechtsform oftmals die erste Wahl für Gründer aller Art. Auch die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) ist letztlich nur ein Zusammenschluss mehrerer Einzelunternehmer.

Ebenso die Kommanditgesellschaft (KG) oder auch die offene Handelsgesellschaft (OHG) sind Personengesellschaften, die aus mindestens zwei Gesellschaftern bestehen, die idR persönlich haften. Und speziell die persönliche Haftung mit dem gesamten Privatvermögen bei finanziellen Problemen des Unternehmens ist auch das Risiko, welches allen Personengesellschaften innewohnt und über das man sich zumindest auch mal Gedanken machen sollte.

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) – eine sogen. Kapitalgesellschaft – ist die wohl bekannteste und verbreiteste Alternative zum Einzelunternehmen. Als Hürde bei der Gründung ist aber oftmals das zur Errichtung nötige Stammkapital von mind. 25.000 Euro zu nennen. Und die Errichtung muss über einen Notar erfolgen, die GmbH ist dann ins Handelsregister einzutragen und auch die steuerliche Bilanzierungspflicht erhöht die Kosten. Für klassische Existenzgründer fällt diese Form der Gründung deshalb oftmals aus, obwohl die GmbH einen Riesenvorteil bietet: die Begrenzung der Haftung auf das sogenannte Stammkapital – und idR damit den Schutz des Privatvermögens des Gründers.

Da vor einigen Jahren aufgrund des Kapitalbedarfs und der hohen Kosten einer GmbH-Gründung vermehrt ausländische Rechtsformen, wie z.B. die englische Limited (Ltd.), auch in Deutschland Einzug hielten, wurde als Alternative inzwischen die sogenannte „kleine oder auch Mini-GmbH“ 2008 als neue Rechtsform geschaffen. Diese haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (abgekürzt UG und mit dem Zusatz “haftungsbeschränkt“ versehen) kann mit einem Musterprotokoll bei jedem Notar kostengünstig und mit wenig Stammkapital errichtet werden. Allerdings gelten auch hier von Anfang an die Bilanzierungspflicht sowie die Eintragung im Handelsregister. Auch ist die UG verpflichtet 25% der jährlichen Überschüsse anzusparen, um das Stammkapital auf mind. 25.000 Euro zu erhöhen. Sodann kann die UG in eine „echte“ GmbH umgewandelt werden.

Alle wichtigen Informationen zur Gründung einer UG findest du übrigens unter http://musterprotokoll.de.

Beide Gesellschaftsformen, GmbH und UG, lassen sich übrigens auch als Einpersonengesellschaft führen, in der der Inhaber als einziger Gesellschafter zugleich auch der Geschäftsführer sein kann.

Als weitere Gesellschaftsformen seien hier noch die Aktiengesellschaft (AG) und die GmbH & Co. KG genannt, die allerdings gerade für Existenzgründer eher selten in Frage kommen. Und natürlich die Unternehmensstiftung.

Eine Übersicht der wichtigsten Rechtsformen findest du als PDF am Ende des Artikels.

Doch nun zur Frage: Was ist überhaupt eine Stiftung?

Hierzu ein paar Fakten: Die Stiftung in Deutschland ist, wie auch in anderen Staaten, eine bis auf das frühe Mittelalter zurückzuführende Rechtsform, mit der Vermögen des Stifters auf eine Stiftung übertragen wird, um dieses auf Dauer zu erhalten und dessen Erträge für einen festgelegten, legalen Zweck zu verwenden. Die Besonderheit gegenüber anderen Rechtsformen ist aber, dass eine Stiftung keine Gesellschafter oder Inhaber hat, also im Grunde niemandem „gehört“. Eine Stiftung ist quasi eine sich selbst gehörende Vermögensmasse, die zu einem bestimmten Zweck errichtet wurde.

Die meisten Stiftungen sind privatrechtlicher Natur und dienen in Deutschland überwiegend gemeinnützigen Zwecken. Daneben existieren Stiftungen öffentlichen Rechts, die per Gesetz errichtet werden und beispielsweise Museen betreffen. Die rechtliche Grundlage liefert das Privatrecht, welches im Deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt ist.

Eine Stiftung entsteht durch das sogenannte Stiftungsgeschäft und – bei selbständigen Stiftungen – mit der Anerkennung durch die staatliche Stiftungsbehörde. Bei der unselbständigen, fiduziarischen (Treuhand-) Stiftung ist eine staatliche Anerkennung nicht erforderlich und somit die Errichtung und Gestaltung einer solchen wesentlich flexibler.

Grundsätzlich werden aber zwei Arten der Stiftungserrichtung unterschieden: Bei der Stiftungserrichtung unter Lebenden entsteht die Stiftung mit der schriftlichen verbindlichen Erklärung des unbeschränkt geschäftsfähigen Stifters und der genauen Beschreibung des zu übertragenden Vermögens. Wird mittels Testament Vermögen auf eine Stiftung übertragen, so ist dies eine Stiftungserrichtung von Todes wegen. Dabei muss das Testament alle wesentlichen Angaben zur Stiftung enthalten.

Allen Stiftungen gleich ist, dass das auf die Stiftung übertragene Vermögen im Wert immer vorhanden ist (kein Kapitalverzehr) und die Erträge ausschließlich den satzungsgemäßen Zwecken zugute kommen.

Rechtsform Gemeinnützige Stiftung

Die Gemeinnützige Stiftung dient als non-profit-Form im Wesentlichen gemeinnützigen, mildtätigen, bürgerschaftlichen oder kirchlichen Zwecken. Sie kann selbst in eigenen Projekten aktiv und/oder fördernd tätig sein. Dieser Zweck einer Stiftung muss in der Satzung genau formuliert sein, damit die Voraussetzungen der Gemeinnützigkeit und damit die möglichen steuerlichen Begünstigungen zur Anwendung kommen. Darüber hinaus ist es notwendig, die Art der Zweckverwirklichung genau zu beschreiben – und nach Gründung der Stiftung auch tatsächlich zu leben. Nur wenn der Tatbestand des steuerbegünstigten Zweckes der deutschen Abgabenordnung (AO) erfüllt ist, können die Steuerbefreiungen in Anspruch genommen werden: steuerliche Subvention (Sonderausgabenabzug u. Spendenregelung) von bis zu 1 Mio. Euro!

Rechtsform Familienstiftung

Die nicht gemeinnützige, privatnützige (Familien-)Stiftung dient oftmals der langfristigen Sicherung und dem Erhalt von Familienvermögen und Unternehmensanteilen – sie fördert nicht ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Denn nach dem BGB dürfen Stiftungen zu jedem Zweck errichtet werden; wenn sie das Gemeinwohl nicht gefährden. Allerdings muss auch hier der Stiftungszweck auf Dauer ausgerichtet sein, was nicht bedeutet, dass dieser ewig gelten muss. Beispielsweise ist eine spätere Umwidmung in eine gemeinnützige Stiftung möglich. Die Satzung einer Familien-Stiftung kann auch mehrere, nicht zusammenhängende Zwecke haben.

Solche nicht-gemeinnützige Stiftungen genießen zwar keine steuerlichen Vorteile auf Stifterebene, eignen sich aber sehr gut zum Schutz des (unternehmerischen-) Lebenswerkes, der Nachfolgeregelung und auch zur Optimierung von Erbschaften und Schenkungen. Dennoch kann auch die Familien-Stiftung gemeinnützig fördernd sein und somit die Gesellschaft dort unterstützt, wo der Stifter es für sinnvoll erachtet!

Rechtsform Unternehmensstiftung

Eine Unternehmens-Stiftung wird in der Regel als Beteiligungsträger-Stiftung zur Beteiligung an anderen Unternehmen (z.B. Stiftung & Co. KG, etc.) oder als Unternehmensträger-Stiftung zur Ausübung eines rein gewerblichen Zweckbetriebes gegründet. Bei letzterer ist die wirtschaftliche Betätigung der Satzungszweck. Sie ist aus meiner Sicht eine sinnvolle Alternative zu klassischen Rechtsformen wie z.B. GmbH oder Limited, dazu ist sie schlank und äußerst flexibel in der Gestaltung – ähnlich einem Einzelunternehmen.

Da die Stiftung als Rechtsform für ein gewinnorientiertes Unternehmen in Deutschland weitgehend unbekannt ist, möchte ich hier die Carl-Zeiss-Stiftung als bekanntestes Beispiel einer Unternehmensstiftung anführen. Sie galt meines Wissens schon immer als Inbegriff für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und soziales Unternehmertum.

Mit der Gründung der Carl-Zeiss-Stiftung verfolgte Ernst Abbe (http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Abbe) zwei übergreifende Ziele, die auch heute noch in § 1 des Stiftungsstatuts die Stiftungszwecke bestimmen. Zum einen ging es ihm um die dauerhafte Sicherung der Stiftungsunternehmen und das Wohlergehen seiner Mitarbeiter, was er nur durch eine Entpersonalisierung der Eigentümer gewährleistet sah. Zum anderen war es ihm ein persönliches Anliegen, mit den Erträgen aus den Unternehmen die Wissenschaft zu fördern.

Im Sprachgebrauch wird das Wort Stiftung mit den Begriffen wie „gemeinnützig“, „Spendenquittung“, „Steuersparmodell“ assoziiert. Dabei ist die Stiftung lediglich eine Rechtsform, die – wie wir ja festgestellt haben – nicht zwingend etwas mit Gemeinnützigkeit zu tun haben muss. Vergleichbar dazu existieren auch relativ viele Kapitalgesellschaften in der Form einer GmbH, die jedoch ausschließlich gemeinnützig sind und Spendenquittungen ausstellen.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung des Stiftungsrechts am 1.9.2002 wurde die Frage um die Zulässigkeit einer gewerblichen Stiftung gegenstandslos. Als gesetzliches Leitbild wurde die gemeinwohlkonforme Allzweckstiftung in § 80 Abs. 2 BGB n. f. verankert. Damit ist auch die gewerblich tätige Stiftung uneingeschränkt zulässig, solange sie eben nicht das Gemeinwohl gefährdet (§ 87 Abs. 1 BGB).

Zweck der Unternehmensträger-Stiftung ist daher die rein unternehmerische Betätigung. Die Einkünfte der Stiftung werden durch die vom Stifter festgelegten Zwecke verwendet. So können die Gewinne an den Stifter oder anteilig an zuvor festgelegten Personengruppen (Destinatäre) vollständig ausgeschüttet werden.

Eine betriebswirtschaftlich-juristische Analyse der Stiftung als Unternehmensform anhand allgemein anerkannter Kriterien (Haftung, Leitung und Kontrolle, Finanzierung, Arbeitnehmer-Mitbestimmung, Flexibilität, Publizität) ergab, dass die Stiftung sich – gerade in der heutigen Zeit – generell auch als Unternehmensform eignet.

Fazit:

Zur Frage nach der richtigen Rechtsform für dein Unternehmen ergibt sich eine Vielzahl von Möglichkeiten, die es vor der Gründung zu klären gilt. Insbesondere auch im Zusammenhang mit eventuellen Förderungen aus beispielsweise Existenzgründungsprogrammen.

Was nun das Thema „Stiftungen als alternative Rechtsform für jeden Anspruch“ angeht, werde ich dir in meinem nächsten Artikel einige Vorzüge von Stiftungen aufzeigen, nach denen sich dann eigentlich nur noch die Frage stellt: Wann und für welche Gelegenheit ist eine Stiftung nicht die richtige Rechtsform! Sei also gespannt.

Gratis Download: Übersicht der wichtigsten Rechtsformen (PDF)

Für Deine Fragen und Kontakt besuche http://michaelschewe.com/

 

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4 Antworten auf Rechtsform für Unternehmen

  • Vielen dank für den tollen Artikel und die ausführliche Information. Denke das der Artikel ziemlich hilfreich sein wird.

    Gruß Anna

  • Lieber Wolfgang

    herzlichen Dank für Deine so immer motivierenden und inspirierenden Beiträge. Grade z diesem aktuellen Thema hätte ich eine Frage. Welche Möglichkeiten gibt es für Networker um dem deutschen u österreichischebn Sterúerwahnsinn zu entgehen. Hast Du Tipps?
    wäre super, vielen Dank und ich hoffe es geht Dir u Deiner Familie gut
    herzliche Grüße
    Lydia

    • Liebe Lydia, herzlichen Dank für Dein Feedback. Eine Unternehmer Stiftung ist eine attraktive alternative Unternehmensform in Deutschland. In Österreich sind Stiftungen gänzlich anders geregelt. Letztendlich sind Steuern immer danach zu entrichten, wo Dein Wohnsitz bzw. wo der Sitz Deines Unternehmens ist. LG Wolfgang

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