Unternehmensstiftung

Die Unternehmensstiftung als alternative Rechtsform zur Existenzgründung – Teil 2

Unternehmensstiftung gründenIm ersten Teil der Ausführungen vom Stiftungsexperten Michael Schewe zum Thema Existenz- und Stiftungsgründung hat er gezeigt, welche Rechtsformen für dein Unternehmen möglich sind und dir hoffentlich ein paar Denkansätze zur Frage „Welche Rechtsform wähle ich für mein Geschäft?“ geben können.

Im zweiten Teil geht es speziell darum, wie du eine eigene Stiftung als Wirtschaftsunternehmen gründest.

 

Wie Du Deine eigene Stiftung als Wirtschaftsunternehmen gründest:

von Michael Schewe

Heute nun möchte ich speziell die Unternehmensstiftung als alternative Rechtsform etwas genauer vorstellen und aufzeigen, wie du mit einer Unternehmensstiftung ein gewinnorientiertes Unternehmen gründen kannst. Denn gerade für ExistenzgründerInnen kann diese Stiftungsart einen innovativen Marktauftritt bieten, der dich aus der Masse hervorhebt.

Dabei komme ich wiederum leider nicht umhin, dir ein paar fachliche Begriffe um die Ohren zu hauen…, ich hoffe du verzeihst mir.

Wichtige Fakten zur Unternehmensstiftung

Als eine „Art“ der Familienstiftung wird die Unternehmensstiftung in der Regel zur Ausübung eines rein unternehmerischen Geschäftsbetriebes gegründet oder sie beteiligt sich an anderen Unternehmen. Dabei ist sie, wie ich finde, eine

sinnvolle Alternative zu klassischen Rechtsformen wie z.B. GmbH oder Limited (Ltd),

• sowie schlanke und äußerst flexible Gestaltungsform;

• wobei diverse Unterformen möglich sind, z.B. Unternehmensträgerstiftung, Beteiligungsträgerstiftung, Stiftung & Co. KG, etc.;

• und sie bietet Schutz und Erhalt des Lebenswerkes/ Unternehmens über Generationen.

Formen der Unternehmensstiftung

Unter Unternehmensstiftung versteht man einerseits Stftungen, die als Beteiligungsstiftung Anteile an Unternehmen halten, wie zum Beispiel die Bertelsmann Stiftung oder die Lidl-Stiftung. Andererseits kann eine Unternehmensträgerstiftung auch ein Unternehmen selbst betreiben, wie beispielsweise die schon im 1. Teil genannte Carl-Zeiss-Stiftung. Dabei können Unternehmensstiftungen natürlich auch gemeinnützig sein. Doch dürfen die ausgeschütteten Erträge des Unternehmens dann ausschließlich für steuerbegünstigte Zwecke eingesetzt werden.

Bei einer Beteiligungsträgerstiftung (z.B. Schickedanz Holding Stiftung & Co. KG oder Vorwerk Elektrowerke Stiftung & Co. KG) kann die Stiftung selbst als persönlich haftende Gesellschafterin (nur in Form der rechstfähigen Stiftung) mit Familienmitgliedern als Kommanditisten oder aber die Stiftung selbst als Kommanditist in Erscheinung treten. Bei der Unternehmensnachfolge beispielsweise soll so die Einschaltung einer Firmenstiftung als Beteiligungsträgerstiftung Unternehmenskontinuität sichern.

Recht verbreitet ist das Modell der Doppelstiftung, bei der eine Familienstiftung mit einer gemeinnützigen Stiftung über eine Holding (z.B. GmbH oder AG) verbunden wird. Doch möchte ich hier auf diese spezielle Konstruktion nicht weiter eingehen.

Die Unternehmensträgerstiftung als Wirtschaftsunternehmen

Bei einer rechtsfähigen Unternehmensträgerstiftung handelt es sich um eine Stiftung, die selbst als Einzelkaufmann operativ tätig wird. Wobei „rechtsfähig“ bedeutet, dass die Stiftung als selbständige, juristische Körperschaft anerkannt ist. Denn alternativ gibt es noch die sogenannte nichtrechtsfähige Stiftung. Sie ist für deine Existenzgründung sicher besser geeignet, da die von den meisten Stiftungsbehörden geforderte Mindestkapitalausstattung für rechtsfähige Stiftungen von idR 50.000 EUR wohl von den allerwenigsten Gründer zu leisten ist.

Eine nicht rechtsfähige Stiftung, auch als unselbstständige, treuhänderische oder fiduziarische Stiftung bezeichnet, erlangt ihre Rechtsfähigkeit erst durch einen Vertrag zwischen dem Stifter und einem Treuhänder als Stiftungsträger. Der Stifter überträgt hierbei das Stiftungsvermögen treuhänderisch an den Stiftungsträger, der es dann getrennt von eigenem Vermögen zu verwalten und die Satzung der Stiftung zu verwirklichen hat. Doch lass dich bitte vom Bergriff „Vermögen“ hier nicht abschrecken – auch kleine Vermögen eignen sich für die Gründung einer Treuhandstiftung.

In den wesentlichen Punkten unterscheidet sich eine Treuhandstiftung kaum von der rechtsfähigen Stiftung und ist eine wirksame, vollwertige sowie kostengünstige Alternative für eine Stiftungsgründung. Hinzu kommt bei der Treuhandstiftung eben der Abschluss eines Treuhand- oder Geschäftsbesorgungsvertrags zwischen Stifter und Stiftungsträger, in dem die Übertragung des Stiftungskapitals auf den Stiftungsträger unter Auflage vereinbart wird.

Aus der Position des Stiftungsvorstandes heraus kann der Stifter zukünftig dem Stiftungsträger Weisungen erteilen und das tägliche Geschäft lenken. Und da es keine Nachschusspflicht über die bei Gründung geleistete Einlage des Stiftungskapitals hinaus gibt, begrenzt sich auch die Haftung der Stiftung auf das Stiftungskapital.

Unternehmensstiftung als Treuhandstiftung schnell und günstig gründen

Eine Treuhandstiftung ist in aller Regel schnell und günstig zu gründen, da sie keiner behördlichen Stiftungsaufsicht untersteht. In Einzelfällen kann es gelingen, die Stiftungsgründung innerhalb weniger Tage abzuwickeln, während das bei einer rechtsfähigen Stiftung in der Regel ein bis drei Monate in Anspruch nehmen kann. Eine Treuhandstiftung bietet also vor allem bei kleineren Stiftungsvermögen eine echte Alternative zur rechtsfähigen Stiftung.

Für dein Gründungsvorhaben könnte somit eine Konstruktion aus einer im 1. Artikel beschriebenen Unternehmergesellschaft (UG) oder GmbH als Treuhänder und einer Unternehmensträgerstiftung als Wirtschaftsbetrieb entstehen. Damit erreichen wir zwei wesentliche Eigenschaften: Die treuhänderische Unternehmensträgerstiftung kann mit ihrem Namen nach außen auftreten und den Marketingeffekt dieser Rechtsform ausnützen. Der Stiftungsträger bleibt als Rechtsträger im Hintergrund, meldet handelnd für die Stiftung das Gewerbe an und vertritt die Stiftung in allen rechtlichen Dingen als Rechtsträger nach außen. Der Stiftungsträger ist jedoch im Innenverhältnis immer an die Weisungen des Stiftungsvorstandes gebunden.

Bei dieser Gestaltung würdest du also gleichzeitig Stifter sein, evtl Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter beispielsweise der UG werden und wärest außerdem als geschäftsführender Vorstand vertretendes Organ der Stiftung – alles in einer Person. Auch wenn das beim ersten Gedanken recht kompliziert erscheint, so ist es das in der realen Umsetzung ganz bestimmt nicht.

Marketing und Außenauftritt einer Unternehmensstiftung

Speziell der Marketingeffekt einer Unternehmensstiftung in der Werbung, auf der Visitenkarte und den Geschäftsunterlagen, ja im gesamten Außenauftritt, ermöglicht dir zukünftig eine besondere Wahrnehmung gegenüber deinen Interessenten und Kunden. Denn hier verbindet sich der unternehmerische Aspekt mit der elitären Rechtsform und dem Image einer Stiftung.

Besonders geeignet erscheint mir ein solcher Marktauftritt mit einer Unternehmensstiftung für Trainer, Berater und Coaches, die idR eher als Freiberufler und Einzelunternehmer unterwegs sind und sich mit einer Stiftung positiv aus der Masse der Dienstleister herausheben können.

Beispielsweise versucht eine Unternehmensstiftung die Risiken beim Bau einer Immobilie durch ein Baukosten-Garantie-Modell zu minimieren und übernimmt das Controlling und Reporting, das für eine kostengünstige Realisierung eines Bauprojekts erforderlich ist. Eine andere Unternehmensstiftung unterstützt als Mikrofinanzierer kleine Unternehmen, die nachhaltige Geschäftsideen realisieren wollen und oftmals von ihren Hausbanken nicht bedient werden.

Auch können alle Arten von Gesundheitsberufen sich mit einer Stiftung ein ganz neues Antlitz verpassen, welches ihrer speziellen Ausrichtung der geistigen und körperlichen Gesunderhaltung entspricht.

Oder denke nur mal an Unternehmungen im Bereich Ökologie. So kann sich z.B. ein Spezialist im Geschäftsbereich alternativer Energieerzeugung sicher so seinen Markteinteil erheblich einfacher erwerben, als seine Mitbewerber aus den klassischen Handwerksberufen.

Es ergibt sich aus einer eigenen Stiftungsgründung einfach eine Vielzahl von Möglichkeiten für deinen Imagegewinn, für die Kundennähe und -bindung.

Jüngstes Beispiel einer gerade von mir begleiteten Stiftungsgründung ist die Grundmann Consideration Stiftung. Sie wird zukünftig die professionelle und zuverlässige Karriereplanung von jungen Menschen zum Ziel haben und verbindet damit einen der Allgemeinheit dienlichen Zweck auch mit einer unternehmerischen, gewinnorientierten Ausrichtung.

Schon über die Unternehmensnachfolge nachgedacht?

Vielleicht ist dieser Gedanke für dich noch zu weit weg, aber die Situation wird kommen…

Der Mittelstand erhielt in 2009 eine grundlegende Reform der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Viele Betriebe tun sich schwer mit den Neuregelungen und werden vielleicht sogar daran scheitern.

Bei Übertragung des Firmenvermögens auf die nächste Generation wurde zwar zukünftig die Möglichkeit einer steuerfreien Übertragung des Betriebsvermögens ermöglicht, die aber so kompliziert und an Bedingungen geknüpft sind, dass nur wenige Nachfolger sich wirklich gerne dafür entscheiden werden.

Für Firmenerben gibt es zukünftig zwei Optionen, deren Wahl bindend ist, d.h. nachträglich nicht revidiert werden kann. Bei beiden Varianten sind unterschiedliche Anforderungen an z.B. Lohnsumme und Produktivvermögen im Verhältnis zum Verwaltungsvermögen einzuhalten (hier auf die Details einzugehen würde den Rahmen allerdings sprengen…, lies dazu am besten die Information des Bundesfinanzministeriums. Hier sind aus meiner Sicht zukünftige Rechtsstreitigkeiten vorprogrammiert, die sich mit der rechtzeitig gegründeten, eigenen Stiftung vermeiden lassen.

Fazit dieser Artikelserie zu alternativen Rechtsformen:

Stiftungen, speziell Unternehmensstiftungen eignen sich für eine Vielzahl von Geschäften und Gründungsvorhaben.

So lassen sich Firmenwerte durch die Übertragung von Geschäftsanteilen und Vermögenswerten, wie z.B. Immobilien, Patente etc., sichern und schon frühzeitig die Nachfolge regeln.

Auch lässt sich Schutz und Erhalt sowie die Weitergabe des privaten Vermögens mit einer Stiftung regeln.

Die eigene Altersvorsorge kann mit einer Unternehmensstiftung schon von Beginn der Existenzgründung an flexibel gestaltet und geschützt werden und dabei schon die nachfolgende Generation bedenken.

Und nicht zu vergessen der Imagegewinn, der durch die eigene Stiftung entsteht und dein Unternehmen in eine ganz andere Dimension heben kann.

Für Deine Fragen und Kontakt besuche http://michaelschewe.com/

Uebersicht und Vergleich U-Stiftung vs GmbH

Von Michael Schewe, Sept. 2013

 

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2 Antworten auf Unternehmensstiftung

  • An wen kann ich mich für professionelle Unterstützung wenden: Gründung einer Unternehmensstiftung und Übertragung der Unternehmensanteile (Wert ca 40 MIoEuro) auf diese Stiftung. Ich bin interessiert an dieser Unterstützung, um dieses Vorhaben bald zu realisieren.

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